|
|
Gmoachronik - Gründung 1902GründungAus einer Tischgesellschaft von 10 Brucker Bürgern erfolgte am 21. August 1902 im Gasthaus zur blauen Traube – heute ist dort das Neue Rathaus – die Gründung des Vereines Alpine Gmoa „D`Rennfelder z`Bruck. In einem Zeitabschnitt raschen Wandels, in dem das Bauerntum an Bedeutung zu
verlieren begann, der Zuzug in die Städte auf Grund der stärker werdenden
Industrialisierung anwuchs, einerseits alte Werte wie Nachbarschaftshilfe und
Zusammenhalt zu verschwinden drohten und andererseits das öffentliche
Sozialwesen noch keineswegs die erforderliche Breitenwirkung und Effektivität
erreicht hatte, entstanden vielerorts Vereine mit humanitären und
volkspflegerischen Zielsetzungen.
10- jähriges Gründungsfest 1912 mit Fahnenweihe Tätigkeit und AufgabenGanz im Sinne des steirischen Prinzen Erzherzog Johann stellte sich unser Verein die Aufgabe, Wohltätigkeit zu üben, sowie Brauchtum und Geselligkeit zu pflegen. Als sichtbares Abzeichen wurde das Jägerstandbild Erzherzog Johanns und als Gruß „G`sund“ gewählt. Um dieses Programm nach innen und nach außen zu dokumentieren, wurde in den Statuten die Verfassung einer bäuerlichen Gemeinde mit entsprechenden Funktionärsbezeichnungen wie „Großbauer“, „Kloabauer“, „Säckelwart“ und „Gmoaschreiber“ gewählt. Als Zeichen der Heimatverbundenheit wurde im Vereinsnamen der Brucker Hausberg, das „Rennfeld“ verewigt, den man auch jährlich zu besteigen gelobte. Dies geschieht auch noch jetzt, jeweils am letzten Sonntag im August. Im Dienste der NächstenliebeDie erste Kinderbeteilung fand bereits am 14. Dezember 1902 statt und wurden 10 Kinder mit Schuhen ausgestattet und bestens bewirtet, im Jahr darauf bereits 12 Kinder und in Summe wurden bis 1919 512 Kinder betreut. Von 1921 bis 1937 stand die Betreuung bedürftiger alter Frauen und Männer im Vordergrund. Witwen als Kriegsfolge, Inflation und Arbeitslosigkeit brachten in diesen Jahren, in denen die öffentliche Fürsorge auf Grund der allgemeinen Not kaum leistungsfähig war, viele Menschen an den Rand der Existenzmöglichkeit. So blieb es Privatinitiativen überlassen, da und dort lindernd einzugreifen, weshalb von den Rennfeldern auch das Winterhilfswerk unterstützt wurde. Obwohl es zwischen 1938 und 1945 keine offizielle Vereinstätigkeit gab, wurden wie aus alten Protokollen ersichtlich, Feldpostpakete verschickt und vereinzelt Weihnachtsfeiern abgehalten. Nach dem zweiten Weltkrieg unterstützte man zuerst Stadtarme, zwischen 1977
und 1980 gab es nochmals Kinderbescherungen und Lebensmittelpakete für
Minderbemittelte. Danach ging man, bedingt durch den mittlerweile erfolgten
Ausbau des öffentlichen Wohlfahrtswesens dazu über, Hilfe in Katastrophenfällen
zu leisten, Institutionen bei ihrer Arbeit, sowie Familien und
Einzelpersonen in Notfällen zu unterstützen. Der finanzielle Bogen
unserer Hilfeleistungen in den letzten 20 Jahren spannt sich von öS5.000,-- bis
öS125.000,-- je Spendenleistung.
Mittelaufbringung
Neben den Mitgliedsbeiträgen, den regelmäßigen Spenden bei Bauernsitzungen und Gmoaabenden in die Kindlkassa, sowie den Zuwendungen von Gönnern, sind es vor allem die Erlöse aus Veranstaltungen, woher unsere Mittel, die wir gerne wieder zur Verfügung stellen, stammen. Vor allem der Rennfelder – Ball, der - als Tanz auf der Alm – erstmals 1903 veranstaltet wurde und auch seit nunmehr 11 Jahren das Stadtfest, zählen zu unseren Einnahmequellen. Wenn auch die Planung dieser Unternehmungen dem Gmoarat und den Bauern obliegt, ihre erfolgreiche Abwicklung hängt in vieler Hinsicht von der tatkräftigen Hilfe der Bäuerinnen, deren Ideenreichtum und Fleiß ab. BrauchtumVereinsintern wird das Brauchtum vor allem im Jahreskreis gepflegt; Faschingsfest, Sonnwendfeier, Erntedank, Adventfeier, werden traditionsgemäß vorbereitet und nach Möglichkeit literarisch und musikalisch umrahmt. Obligat ist die Teilnahme
am Frühlingstreffen der Oberlandler- Wert wird bei all unseren Aktivitäten auch auf steirisches G`wand gelegt. Eine sehr erfolgreiche Aktion der Bauerngmoa Rennfelder z´ Bruck bildet die jährliche Palmbuschenprämierung, wobei Größe und Schönheit der „Buschen“, aber auch das Steirerg`wand der Träger bewertet werden. Fand man bei der ersten Prämierung 1976 noch mit 10 silbernen 25-igern das Auslangen, benötigen wir heute 70 bis 80 Silberhunderter. Erfreulich, dass damit ein alter Brauch, der drohte in Vergessenheit zu geraten, zu neuer Blüte gebracht werden konnte. Die Gmoastub`nIn unserer Gmoastub`n im Gasthof zur Post, des Rennfelders Erich Riegler vlg. Platzbauer finden nicht nur unsere monatlichen Bauernsitzungen, sondern auch fast alle gesellschaftlichen Veranstaltungen statt. Hier werden auch unsere Besitztümer – z.T. in einem Glasschrank, für Besucher sichtbar – aufbewahrt.
GeselligkeitNeben den bereits erwähnten Gelegenheiten ist vor allem die jährliche Wanderung auf das Rennfeld, die eine oder andere Ferialeinladung im Sommer sowie unser Faschingsgschnas, das jedes Jahr unter einem aktuellen Motto stattfindet, Möglichkeit zur Kontaktpflege. Auch gemeinsame sportliche Aktivitäten, seien es Schi- oder Radausflüge oder ein Golfturnier, bei welchen Gelegenheiten Gäste gerne willkommen sind, dienen der Kommunikation. BrudervereineZu den Oberlandlern in Graz, Leoben und Knittelfeld sowie der Bauerngman Villach bestehen seit jeher sehr enge Verbindungen. Annähernd zur selben Zeit entstanden und gleichartig organisiert, mit gleichen Zielsetzungen, arbeiten sie schon sehr früh zusammen. Seit 1952 findet diese Kooperation in jährlichen Frühlingstreffen verbunden mit einem Gedankenaustausch der Vereinsvorstände ihren Ausdruck. Dabei werden im Rat der Großbauern aktuelle Fragen und gemeinsame Anliegen diskutiert, den von überall her angereisten Bauern und Bäuerinnen gleichzeitig ein gesellschaftliches und kulturelles Rahmenprogramm geboten. Die Liste der bisherigen 49 Frühlingstreffen liest sich wie ein Werbeprospekt der beiden Bundesländer Steiermark und Kärnten. SchlusswortDass wir Rennfelder im Jahre 2002 unser 100-jähriges Bestandsjubiläum feiern dürfen, belegt, dass wir eine Aufgabe zu erfüllen hatten und auch in Zukunft zu erfüllen haben. Wohl wurde das soziale Netz in den letzten Jahrzehnten enger geknüpft, doch sind an Stelle der alten Nöte mittlerweile neue getreten, die nach zeitgemäßer Hilfeleistung verlangen. Feiern werden wir unser Jubiläum im Rahmen des 50. Frühlingstreffen zusammen mit unseren Brudervereinen in unserer Heimatstadt Bruck an der Mur und wir hoffen, unseren Freunden aus Graz, Leoben, Knittelfeld und Villach einen, dem Anlass entsprechenden, würdigen Rahmen bieten zu können.„G`sund“
|
|